Finanzierung droht zu scheitern

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Stuttgart/Berlin – Der sechsspurige Ausbau der A 8 am Albaufstieg gerät von der Überholspur auf den Standstreifen. In einer Machbarkeitsstudie rückt der Bund von der geplanten Finanzierung des 405 Millionen Euro teuren Projekts über eine Einzelmaut ab.

20 Monate nach der Ankündigung einer weiteren Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zu dem Mammutprojekt liegen die Ergebnisse nach Informationen unserer Zeitung in Berlin und Stuttgart vor. „Die Studie zeigt, dass entgegen der ersten, im Februar 2001 für den Albaufstieg erstellten Machbarkeitsstudie das Projekt nicht für ein F-Modell geeignet erscheint“, räumt Sven Ulbrich, Sprecher von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, ein. Das sogenannte F-Modell erlaubt es Privatunternehmen, Verkehrswege zu bauen, zu betreiben und über eine Pkw-Maut zu refinanzieren. Ulbrich nennt gestiegene Kosten für Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung sowie neue Verkehrszahlen als Grund für die veränderte Einschätzung.

Damit droht die größte Herausforderung beim sechsspurigen Ausbau der A 8 zwischen Karlsruhe und München für lange Zeit ein Nadelöhr zu bleiben. Vor fast zehn Jahren war die private Finanzierung des 8,3 Kilometer langen Autobahnstücks ins Gespräch gekommen, weil es so aussah, dass Berlin die Großinvestition auf lange Sicht nicht würde stemmen können. Mit dem F-Modell sollte der Albaufstieg andere Projekte, die bundesweit vor ihm dran waren, zügig überholen.

Im Frühjahr 2002 beschloss das Landeskabinett dieses Vorgehen, im Herbst 2004 machte sich das Regierungspräsidium Stuttgart ans förmliche Planverfahren. Zwei Jahre später sollte der Bau beginnen, 2009 das erste Auto an der geplanten Mautstation bei Hohenstadt auf der Albhochfläche einfahren. Als die Stuttgarter Behörde jedoch im Sommer 2006 die Baugenehmigung erteilen wollte, sorgte das Bundesministerium für eine faustdicke Überraschung. Die Privatfinanzierung sollte in einer neuen Studie nochmals der herkömmlichen Finanzierung aus Steuermitteln gegenübergestellt werden. Seitdem wird in Berlin gerechnet.

Über die Strecke rollen heute täglich weit mehr als 60.000 Fahrzeuge, bis zu 86.500 sind für das Jahr 2020 prognostiziert. Weshalb sich das Maut-Modell bei diesem Verkehrsaufkommen nicht tragen soll, beantwortet Ulbrich nicht. Möglicherweise spielt eine Rolle, dass der heutige Albaufstieg als mautfreie Ausweichstrecke erhalten bleiben soll. Der Sprecher verweist nur darauf, dass Bund und Land weiterhin nach einer Möglichkeit suchen, den Ausbau privatwirtschaftlich zu realisieren. Dabei setzen die Partner auch darauf, dass der zündende Funke aus der Finanz- und Bauwirtschaft kommen könnte, eventuell durch andere technische Lösungen als die Mautstation mit zehn Kassenhäuschen pro Fahrtrichtung.

Um dem Vorhaben auf die Sprünge zu helfen, hat das Bundesministerium in seinen Investitionsrahmenplan 2010 vorsorglich 80 Millionen Euro Anschubfinanzierung eingeplant. Zwischen Gruibingen und Mühlhausen wird die A 8 bis 2011 auf sechs Spuren erweitert, die Fortsetzung von Hohenstadt bis Ulm soll mit der Schnellbahnstrecke Wendlingen–Ulm bis 2019 ausgebaut werden. Wann der Albaufstieg so weit sein könnte, vermag niemand mehr zu sagen.

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